Wort zum Sonntag vom 29.5.2020

Mit herzlichen Grüßen

Begrüßen hat sich geändert in den letzten Wochen. Kein Händeschütteln, keine Umarmung. Stattdessen freundliche Blicke, ein Lächeln, symbolisch liebevoll ausgestreckte offene Arme.

Einem anderen Menschen Grüße senden oder überbringen, das hat sich nicht ändern müssen. „Grüß‘ die Kinder lieb von mir!“ „Schönen Gruß an Ihre Frau!“ „Bestellen Sie Ihrem Gatten freundliche Grüße!“ Solche Grüße konnten und können wir ausrichten. Vielfach geben wir solche Grüße mündlich mit auf den Weg oder lassen sie in Briefen mitreisen oder tippen sie in eine SMS. Am Ende meist schnell angehängt ans Gespräch, an die geschriebenen Zeilen.

Es braucht zwei Begebenheiten im Abstand von drei Tagen, die mich nochmal hinweisen: zu überbringende und überbrachte Grüße sind kein „Anhängsel“. Der fast volljährige Sohn einer Freundin bittet meinen Mann, mir seine Grüße auszurichten. Eine andere Freundin überbringt mir die Grüße ihrer jung-erwachsenen Tochter. Es berührt mich, von ihnen so mit einem Gruß bedacht zu werden. Heißt es doch: sie haben an mich gedacht, erinnern irgendein gemeinsames Erleben, eine Begegnung und senden mir so ein kleines Zeichen der Verbundenheit.

Ich musste es durch diese jungen Menschen nochmal gewahr werden, wie das Grüßen ein Netz der Zuwendung spannt. Heute – und seit langem schon.

Der Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom endet (im 16. Kapitel) mit einer langen Grußliste. Über 20 Frauen und Männer in der römischen Gemeinde werden namentlich genannt, darüber hinaus noch andere, die dazugehören. Ihnen allen sollen die Grüße von Paulus (und einigen anderen aus der Gemeinde in Korinth, von wo aus Paulus seinen Brief sendet) überbracht werden. Wohl mit der gleichen Hoffnung, die auch wir haben, wenn wir uns Grüße zukommen lassen: dass sie uns eine Kraftquelle werden, indem sie uns spüren lassen: „Du bist nicht allein. Du bist nicht ohne die anderen. Wo auch immer du bist, und sei es räumlich weit weg, du bist uns nah und kannst der Zuwendung von mir, von uns gewiss bleiben. An dem, was dir geschieht, nehme ich, nehmen wir Anteil.“

Im Grüßen schwingt eine Energie, die zeigt: „Wir bleiben aufeinander bezogen.“

Im ganz alltäglichen Leben – nicht nur in Krisenzeiten oder in Nöten – ist eine Energie zwischen uns da, die trägt, die weiterhilft, die beschwingt. Diese „Energie der Bezogenheit“ mit Gott in Verbindung zu bringen, sie zu verstehen als seine pfingstliche Geistkraft in uns – könnten Sie da mitgehen? Denn auch Gott selbst ist nicht unbewegt, sondern immer „in Beziehung“.

„Grüßt euch mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Gemeinden Christi“, so schließt Paulus seine Grußliste. Wir werden noch auf diese körperliche Nähe im Grüßen verzichten müssen. Aber für viele andere Grüße – auch zum Pfingstfest – ist es eben die rechte Zeit.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Pfingstfest und grüße Sie herzlich

Pfrin. Christiane Monz-Gehring