Wort zum Sonntag vom 2.11.18

Gedenken

Wir sind wieder im November angekommen. Dem Monat, der zum Trauern und Gedenken einlädt. Eine, im wahrsten Sinne des Wortes, eindringliche Form des Gedenkens ist das Tragen eines Tattoos. „Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ lautete der Titel einer Ausstellung, die auf Initiative des Mainzer Vereins Trauernde Eltern & Kinder e.V. im Oktober in der St. Antonius Kirche der kath. Cityseelsorge in Mainz zu sehen war. Auf 2 Meter hohen Aufstellern wurden mit Fotos trauernde Menschen und ihre Gedenk-Tattoos vorgestellt. Ein kurzer Text informierte über die Beziehung zu den Verstorbenen, auf welche Weise dieses Tattoo an den geliebten Menschen erinnert und vor allem die Verbindung über den Tod hinaus symbolisiert. Da waren sehr berührende Lebensgeschichten zu sehen.

Anlässlich der Ausstellung hatte die Cityseelsorge Mainz  das „Offene Singen“ der St. Bonifatius Gemeinde Hochheim und den Kirchenmusiker Joachim Raabe gewinnen können, einen Abend mit neuem geistlichen Liedgut und Liedern aus Taizé zu gestalten. Zum Mitsingen wurde ausdrücklich eingeladen. Es gab für alle Gäste ein eigens zusammengestelltes Liederheft, das es ganz einfach machte, in den Gesang einzustimmen. Eingestimmt wurde auch schon in der Begrüßung auf das Thema Verlust und Trauer.

Während landläufig  noch immer vom Loslassen der Verstorbenen gesprochen wird, gehen wir in der Trauerbegleitung von einer anhaltenden Bindung aus und die wurde an diesem Abend nicht nur durch die Tattoos sichtbar, sondern durch das gemeinsame Singen ganz besonders spürbar. Da ging es um die allumfassende Liebe, das Überwinden von Ohnmacht, um inneren Frieden und die Hoffnung, getragen zu sein in einer dunklen und schmerzvollen Zeit. Der Kirchenraum war angefüllt von einem wunderbaren, vielstimmigen Klang, der mal laut und mal leise Empfindungen zum Ausdruck brachte. So wurde in „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ die Sehnsucht nach Gottes Nähe deutlich. Sein Beistand wurde erbeten, so dass auch in Krankheit, Tod und (Verlust-)Schmerz die Hoffnung auf Heilung und eine glückliche Zukunft entstehen kann. Die Liebe wurde besungen. Die Liebe zu dem verstorbenen Menschen und gleichzeitig die Liebe Gottes.

Ein jeder und eine jede konnte sich beim Singen auf ganz eigene Weise mit einem geliebten Menschen verbinden. Und mit Gottes Beistand. Und darüber hinaus mit der Gemeinschaft in der Kirche. Für mich waren das sehr innige und bereichernde zwei Stunden. „Wo die Liebe wohnt, blüht das Leben auf, Hoffnung wächst, die trägt: Träume werden wahr – denn wo Liebe wohnt, da wohnt Gott“. Sich in Liebe zu verbinden mit den Toten, den Lebenden und mit Gott, kann zur Heilung führen.

Bianca Ferse

Ev. Kirchengemeinde