Wort zum Sonntag vom 11.10.2019

Baumgedanken

Wann waren Sie das letzte Mal im Wald?

Ich meine einen richtigen, urwüchsigen Mischwald, keine Monokultur-Fichtenplantage in Massenbaumhaltung.

Einem Urwald, der von selbst entstanden ist, oder von Eichhörnchen und Vögeln gesät wurde, einen Wald, in dem die Bäume nicht „perfekt“ in Reih und Glied aufgereiht und gradstämmig wie Baumsoldaten stehen. Einem Wald, der auf allen Ebenen von Leben sprießt - Pilze, Beeren, Flechten, umgestürzte Bäume, die bewohnt werden, Symbiosen zwischen den Pflanzen und Tieren, Lebensraum. Ein Wald mit Licht und Schatten, der ein Spiel bietet von Grüntönen im Sommer und allen Farben der Herbstpalette in der jetzigen Jahreszeit. Diese Veränderungen im Jahresrhythmus bilden den Zyklus ab von Vergänglichkeit und Auferstehung, Tod und Hoffnung.

Der Baum ist verwurzelt in der Erde und streckt sich zum Himmel.

Nicht umsonst wird ihm in vielen Religionen eine besondere Bedeutung zugerechnet, als Symbol für Schöpfung oder Fruchtbarkeit, als Verbindung zu den jeweiligen Göttern. In vielen Religionen gibt es heilige Bäume, z.B. Yggdrasil bei den Germanen.

Auch in der Bibel wird der Baum an vielen Stellen erwähnt, nicht zuletzt der Baum des Lebens, von Gott im Paradiesgarten gepflanzt.

Und Gott der Herr ließ allerlei Bäume aus der Erde hervorsprießen, lieblich anzusehen und gut zur Nahrung, und auch den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (1. Mose 2,9)

Wie heute in den Friedwäldern erwähnt der biblische Text Menschen, die am Fuß eines Baumes beigesetzt werden.

Es starb aber Debora, die Amme der Rebeka, und wurde begraben unterhalb Bethel unter der Eiche; man nennt sie deshalb Klageeiche. 1. Mose 35,8

Auch wurden Bäume als besonders schützenswert angesehen: Nur die Bäume, von denen du weißt, dass man nicht davon isst, die darfst du verderben und umhauen und Bollwerke daraus bauen gegen die Stadt, die mit dir Krieg führt, bis du sie überwältigt hast. (5. Mose 20,20

Wenn ich in einem richtig schönen Wald bin, die Gerüche, die Stille auf mich einwirken lasse, dann spüre ich eine Nähe zu Gott, die mir in menschengemachten Umgebungen oft abhanden kommt.

Gehen Sie mal wieder in den Wald, es ist schön dort.

 

Susanne Ruitenberg, evang. Kirchengemeinde