Wort zum Sonntag vom 7.9.2018

Gedanken zur Lese

Jeder konnte in den letzten Wochen beobachten, wie die Trauben reif werden. Goldgelb hängt der Riesling, rosa schillernd der Grauburgunder, tiefrot die Spätburgundertrauben.

Wie gemalt.

Das sattgrüne Laub der Rebstöcke bekommt Farbtupfer. Die ersten Vollernter und Maischewagen sind zu sehen und die Fruchtfliegen streben zu den nur ihnen bekannten Sammelpunkten und feiern in Vorfreude, möchte man meinen.

Der Wein begleitet die Menschen schon sehr lange. Forscher haben Hinweise - Weinsäure in Tongefäßen - gefunden, dass vor rund 7-bis 8.000 Jahren in Georgien bereits Wein hergestellt wurde.

Der älteste noch flüssig erhaltene Wein der Welt ist annähernd 1700 Jahre alt: der „Römerwein aus Speyer“ aus dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer und wurde, in eine Glasflasche gefüllt, einem Römer als Grabbeigabe ins Jenseits mitgegeben.

Der Wein und die Weinrebe ist eine der am häufigsten in der Bibel erwähnten Pflanzen. Der erste erwähnte Winzer ist Noah.

Und jedem dürften diese Jesus-Worte geläufig sein: „Ich bin der Weinstock, ihr die Reben“.

Für Hochheim hat der Wein eine große Bedeutung, viele Familien leben davon. In den nächsten Tagen und Wochen entscheidet sich, ob die Mühe eines ganzen Jahres, die viele Arbeit, die in die Weinberge gesteckt wurde, ob sie Früchte trägt. Ob die Reben gut durch den (gefühlt mindestens dritten) Jahrhundertsommer der letzten beiden Jahrzehnte gekommen sind und gesund hereingeholt werden können; ob die Oechsle-, Extrakt- und Säurewerte einen guten Wein versprechen. Gleichzeitig immer der bange Blick zum Himmel – jetzt bloß keinen Starkregen oder Hagel mehr, der in wenigen Minuten die Arbeit eines ganzen Jahres vernichten kann.

Jetzt müsste man sich zusätzliche Hände wachsen lassen können für die viele Arbeit, die gleichzeitig zu erledigen ist und hellseherische Fähigkeiten entwickeln – kommt der Regen oder nicht; lasse ich die Trauben noch ein wenig hängen oder hole ich sie herein?

Ich wünsche den Hochheimer Winzerinnen und Winzern eine gesegnete Lese, gutes Gelingen, pannenfreie Maschinen, Wetter, das mitspielt, und bleibt alle gesund.

Gleich wie Leben ist Wein für die Menschen, wenn du ihn maßvoll trinkst. Was ist das Leben, wenn der Wein fehlt? Er ist geschaffen zur Heiterkeit des Menschen (Buch Jesus Sirach 31,27)

Susanne Ruitenberg

evangelische Kirchengemeinde