Wort zum Sonntag vom 20.3.20

In atemberaubender Geschwindigkeit ...

In atemberaubender Geschwindigkeit überschlagen sich gegenwärtig die Ereignisse. Was vor einer Woche noch für unwahrscheinlich gehalten wurde, ist vielleicht morgen schon dringend geboten. Die unter uns, die nicht gerade die Kriegs – und Nachkriegszeit erlebt haben, müssen sich im Zeitraffer auf Situationen einstellen, die unserem bisherigen Lebensmodus fremd gewesen sind: eine ganze Gesellschaft wird heruntergefahren. Und kein Bereich kann sich wegducken. Dabei werden von nicht wenigen Höchstleistungen abverlangt. Wer in diesen Tagen an den Supermarktkassen Schlange stand, der möge sich vorstellen, wie es denjenigen geht, die an eben diesen Kassen sitzen. Die einen werden in eine unfreiwillige Auszeit geschickt, die anderen bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. Und für alle ist es irgendwie Last. Und sei es, völlig aus dem gewohnten Tritt zu geraten.
In den nächsten Wochen wird es keine Gottesdienste geben. Versammlungen, besonders in geschlossenen Räumen sind zurecht untersagt und da kann es für die Kirchen keine Ausnahmen geben.
Allerdings muss das nicht bedeuten, dass „Der Gottesdienst“ gänzlich ausfällt. Er könnte in einer Gestalt erlebt und gelebt werden, die einst einer der Säulen der Reformation gewesen ist: Der Alltag als Gottesdienst. Richtig, von Christen wird erwartet, Christen werden dazu ermutigt, ihre Aufgaben, ihre Pflichten, ihre Arbeit, ja selbst ihre arbeitsfreie Zeit im Horizont des Glaubens an den rettenden und barmherzigen, aber auch an den fordernden Gott zu erleben und zu leben. Tag täglich und nicht nur sonntags.
Was heißt das für die momentane Krise? Das heißt, sie so anzugehen, dass einer des anderen Last trägt. So steht es in der Bibel, im Neuen Testament. Und das muss man nicht groß interpretieren, es ermutigt zu etwas selbstverständlich Menschlichen – nämlich in der Not füreinander da zu sein.
Man nennt das auch Solidarität. Oder eben Nächstenliebe.

Einigen wird es leichter fallen, mit den Einschränkungen klarzukommen,anderen nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen ihnen unter die Arme greifen. Und sei es, dass man die Nachbarin ohne eigenes Auto fragt, was sie an Einkäufen benötigt...

Wie lange die Krise noch dauert, weiß keiner; was wir ihr entgegensetzen können, ist eine ganze Menge. Gottlob.

Ich wünsche uns alles Gute und Gottes Segen

Pfarrer Christoph Müller, Massenheim-Wicker