Wort zum Sonntag vom 15.3.2019

Mal ehrlich!

Wie oft haben Sie heute schon gelogen? Oder vielleicht auch nur etwas geschwindelt? Oder etwas gesagt, von dem Sie gar nicht wussten, dass es nicht stimmt? Und macht das überhaupt einen Unterschied?

Sucht man nach Zahlen wie oft gelogen wird findet man ganz Unterschiedliches: die Angaben schwanken zwischen 2 und 200 Mal am Tag. Jüngere Menschen lügen mehr als Ältere haben Forscher herausgefunden, da es mehr Hindernisse auf dem Weg zu ihren Zielen gibt. Gleichzeitig scheint auch der Mikrokosmos in dem wir uns befinden, also Familie, Freunde, Kollegen oder Kommilitonen darüber zu entscheiden wieviel und wie schamlos wir betrügen. Staat, Religion oder Gesellschaft sollen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auch der Faktor Zeit scheint einen Einfluss auf den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu haben, sind wir in Eile lügen wir eher, als wenn unser Gewissen sich zu Wort melden darf. Das gleiche gilt auch für Emails im Vergleich zum geschriebenen Wort. Oder für die online Steuererklärung.

„Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinen Nächsten“, das ist das 8. Gebot. Ist es noch zeitgemäß?

Das diesjährige Fastenmotto der Evangelischen Kirche „Mal ehrlich – 7 Wochen ohne Lügen“, fordert uns dazu auf in der Zeit von Aschermittwoch bis Ostermontag über unser Verhältnis zur Lüge nachzudenken.

Aber sind Lügen moralisch grundsätzlich als schlecht zu bewerten? Nein, sagen Wissenschaftler und Psychologen, denn es kommt auf das Motiv der Lüge an. Lügt jemand, damit er jemanden trösten kann oder ihn mit der bitteren Wahrheit verschont, dann ist dieses „nicht die Wahrheit sagen“ in unserer Gesellschaft akzeptiert, denn es dient als sozialer „Kitt“ in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn der Grund zu lügen aber darin besteht andere Menschen zu manipulieren oder zum Durchsetzen der eigenen egoistischen Ziele dient, so verurteilen wir dieses Handeln.

Wir alle sehnen uns nach Wahrheit und können doch nicht mit ihr leben. Und unser Umfeld auch nicht. Wenn wir die nächsten 40 Tage nur noch die Wahrheit sagten, stünden wir wahrscheinlich anschließend ohne Freunde, ohne Beziehung und ohne Arbeit da. Ein Dilemma, mit dem wir jeden Tag leben und uns auseinandersetzen müssen. Vielleicht wäre das ein Ansatz für die nächsten 6 Wochen: unsere Aufmerksamkeit jeden Tag darauf lenken, wie ehrlich wir gegen uns selbst sind. Wenn wir achtsamer mit unseren eigenen Empfindungen umgehen sind wir möglicherweise auch eher in der Lage die Befindlichkeiten unseres Gegenübers zu erfassen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wahrhaftige Fastenzeit!

Edda Syborg, Ev. Kirchengemeinde Hochheim