Wort zum Sonntag vom 19.7.2019

„Before I die“ - nachgedacht

Ganze drei Wochen standen mitten in Hochheim die Tafeln mit der Überschrift „Before I die…“. Sie wurden rege genutzt, um eigene Gedanken aufzuschreiben: Bevor ich sterbe, möchte ich… Ja was denn? Was möchte ich noch erleben oder tun in meinem Leben, bevor ich sterbe? Gesundheit, Weltfrieden, persönlicher Frieden, glückliches Zusammenleben mit Familie und Freunden, Ungerechtigkeit aufheben, Umweltschutz, Reisen, mit Gott verbunden sein. Es wurden Wünsche vielfältigster Art sichtbar. Sehnsüchte, Ernsthaftigkeit und Humoriges, aber auch offensichtliche Respektlosigkeiten waren genauso auf den Tafeln zu entdecken wie Wünsche nach Veränderung.

In ihrem Buch: „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ beschreibt die australische Palliativ-Krankenschwester Bronnie Ware, was sie in Gesprächen mit sterbenden Menschen immer wieder zu hören bekam:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

„Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

„Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt“.

Ob ich als Einzelne etwas Entscheidendes für den Weltfrieden oder den Umweltschutz beitragen kann, halte ich für zweifelhaft. Zumindest auf den ersten Blick. Doch es lohnt sich ein zweiter Blick. Wenn ich für mich selbst gut sorge, indem ich mein Leben selbst- und nicht fremdbestimmt lebe, meine Bedürfnisse und Gefühle äußere, meine Familie und Freunde nicht hinter der Arbeit anstehen lasse, und mir (Lebens-) Freude gönne, dann kann das zu mehr Zufriedenheit oder auch innerem Frieden führen. Innerer Frieden an Stelle von mangelndem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Unruhe, Getriebensein, Neid oder ähnlichem. Ich gehe davon aus, dass der innere Frieden dann auch zu einem äußeren Frieden beiträgt. Zuerst in meinem privaten und beruflichen Umfeld. Wenn wir also alle unseren inneren Frieden im Blick hätten, dann könnte es sein wie mit dem Steinchen, das in einen See fällt und dort eine Welle verursacht. Und noch eine und noch eine und noch eine bis die Welle kaum noch zu sehen ist und doch eine Wirkung hat. Das gilt auch für Müllvermeidung, Energieverbrauch, Ressourcenkonsum, etc. Verantwortungsbewusstsein ist gefragt, um Gottes Schöpfung, deren Teil wir sind, gerecht zu werden.

Bei allem, was wir uns und unseren Liebsten für unser Leben wünschen, dürfen wir darauf vertrauen, dass wie nicht allein sind. Denn Gott ist unser Hirte und hat dafür gesorgt, dass wir wunderbar gemacht sind.

Bianca Ferse

Ev. Kirchengemeinde

Weitere Informationen zum Projekt "Before I die" finden Sie hier