Wort zum Sonntag vom 13.9.2019

Ballerinas

Wo sind sie hin, jene drei? Haben die Söckchen in die Schuhe hineingestopft und sind barfuß über den Strand in Richtung Meer gehüpft, gelaufen, gesprungen. Noch einmal die Füße ins Wasser halten, Sand zwischen den Zehen spüren, Wellenspritzer an den Beinen. Noch einmal ausgelassene Freude, Lachen, Unbeschwertheit leben. Denn die Ferientage sind begrenzt. Schule oder Arbeit, das Gleichmaß der Alltage ist wieder da. Wie schnell die schöne Zeit verfliegt! Gerade noch lag ein langer Sommer vor uns und nun geht er schon dem Ende zu. Wo sind sie hin, die hellen Tage?
Irgendwann werden die drei zurückkommen, ihre Schuhe in die Hand nehmen und gehen. Dann werden sie abreisen, hoffentlich noch voller Glück über die schönen Tage. Zu Hause werden sie Fotos anschauen und erzählen: „Weißt du noch …?“ Vielleicht sagen sie auch: „Ich hab gar keine Lust, wieder zur Arbeit zu gehen, es war so toll am Meer …“ Dann werden sie doch wieder in ihren Alltag eintauchen, diesen Alltag mit seinen Routinen und Eintönigkeiten, den kleinen und manchmal größeren besonderen Momenten. Allmählich wird die Erinnerung an den vergangenen Sommer blasser werden. Man kann seufzen über die Vergänglichkeit der Zeit, man kann beklagen, dass alles Schöne nur von begrenzter Dauer ist. Man kann aber auch die Erinnerung verwandeln in Vorfreude auf das Schöne, was noch kommen mag. Man kann die Sommerschuhe in den Schrank sperren. Man kann sie aber auch sichtbar an einen Platz stellen, von dem aus sie zeigen: Es gibt einen nächsten Sommer – freu dich drauf! Es ist der Blick über den Tellerrand des eigenen kleinen Lebens hinaus, der den Unterschied macht. Aus dem Zuspruch leben, dass das Leben seinen Ursprung und sein Ziel nicht im Menschen hat und sich freuen an Gott, seiner Schöpfung und am von Gott geschenkten Leben. Vielleicht kommt man so auch mit der Vergänglichkeit von Zeit und Leben besser zurecht. So werden die köstlichen Momente des Sommers zum bleibenden Geschenk, weil man weiß, dass man solche Momente nicht selber machen kann.
Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke (Nehemia 8,10). Seufzt nicht über die Vergänglichkeit, sondern freut euch, dass euer Leben gegründet ist in Gott. Teilt diese Freude miteinander – ganz irdisch, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet: an einem gemeinsamen Tisch, in gemeinsamer Arbeit, in der Liebe und in Fürsorge füreinander. Vielleicht machen es jene drei gerade so.

Mirjam Ambrozic
Ev. Kirchengemeinde