Wort zum Sonntag vom 18.5.2018

„Fürchte Dich nicht!“

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, dichtete Hanns Dieter Hüsch, der Kabarettist. Ich denke: Ach, wie schön wäre es, wenn wir uns immer „vergnügt, erlöst, befreit“ fühlen könnten! Genau dies ist die Haltung, die Gott uns zugedacht hat. Aber es gelingt nicht immer. Auch der gläubigste Mensch kennt Ängste. Das kann die Angst sein, einen geliebten Menschen zu verlieren, eine schlechte Note oder die Angst vor der Dunkelheit. Wenn uns etwas große Angst macht, dann fühlen wir uns schwach und klein. Ängste gehören zum Leben. Sie mahnen zur Vorsicht und erhöhter Aufmerksamkeit. Ängste können Leben retten. Aber sie können auch außer Kontrolle geraten oder sogar krankhaft werden. Viele Menschen leiden unter ihren Ängsten. Besonders, wenn sie überhand nehmen, rauben sie uns den Lebensmut und saugen unsere Lebenskraft auf. Sie lähmen und machen unfrei. Was hilft mir vielleicht dann?

Wenn ich mich fürchte, suche ich mir Menschen, die mir zuhören. Das tut gut und führt weiter! Außerdem rufe ich mir ein Bibelwort in den Sinn. Als Jesus am Abend vor seinem Tod von seinen Jüngern Abschied nahm, sagte er ihnen „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh16, 33) Ein kraftvolles Wort. Noch viel kräftiger, wenn es genau übersetzt wird: „In der Welt habt ihr immer wieder Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt ein für allemal überwunden.“ Ein echtes „Anti-Furcht-Wort“! Weil es mir zugesteht: Angst gehört zum Leben. Niemand ist angstfrei und ich muss es nicht sein. Ich werde Sorge und Ungewissheit nie völlig ausschalten können. Wohltuender Realismus! Für Christus ist klar, dass ich mich auch fürchte und dass das okay ist. Dies entlastet mich! Ich fühle mich damit verstanden.

Das Wort macht mir Mut: „Seid getrost, ich habe die Welt ein für allemal überwunden.“ Das erinnert mich an Pfingsten, was wir in zwei Tagen feiern werden. Eingesperrt haben die Jünger sich in einem Raum in Jerusalem, die Tür verriegelt, die Fensterläden geschlossen. Keiner wagt, laut zu sprechen; man meint ihr Herzklopfen hören zu können. Herzen schlagen im Takt der Angst. Auf keinen Fall entdeckt werden! Sonst kann es ihnen gehen, wie dem Freund, den man vor zwei Tagen umgebracht hat. Und dann wirbelte der Geist Gottes sie durcheinander. Und aus verängstigten und verunsicherten Nachfolgerinnen und Nachfolgern Jesu werden seine Gesandten. Hinaus in die Stadt. Hin zu den Menschen. Und plötzlich gehen die Türen auf. Werden die Fenster aufgerissen, die Angst schwindet. Mit Gottes Geist, mit diesem Wort Gottes kann das Leben lebendig weitergehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angstbefreiende und bewegte Pfingstzeit!

Pfrin. Mirjam Ambrozic