Wort zum Sonntag vom 24.7.2020

Urlaub

Im Newsletter von Andere Zeiten e.V. wurde vergangene Woche gefragt, woher der Begriff „Urlaub“ stammt. Die Antwort lautete,  dass das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv »Urloup« zunächst ganz allgemein »Erlaubnis« bedeutete und in der höfischen Sprache bezeichnete es dann die Erlaubnis wegzugehen, die ein Höherstehender oder eine Dame einem Ritter erteilen konnte.

Worum geht es heute, wenn ich an Urlaub denke? Zuallererst bedeutet es für mich arbeitsfreie Zeit, die ich gestalten kann, wie ich möchte. Dazu muss ich meinen Arbeitgeber um Erlaubnis fragen. Jedenfalls was den Zeitpunkt betrifft, denn der Erholungsurlaub ist mir arbeitsrechtlich zugesichert. Nun setzt die Assoziationskette ein: Urlaub, Erholung, Freiheit vom Leistungsdruck, Spaß, Entspannung, Ausschlafen, Unbeschwertheit, Ausstieg aus Alltagspflichten und Trott, Reisen, Meer, Strand… Jetzt spüre ich allmählich Widerstand im Assoziationsfluss. Ist das alles denn möglich in Zeiten der Corona-Pandemie mit verordneten Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht? Was ist mir erlaubt in einer Zeit, wo Rücksichtnahme und Schutz vor Ansteckung -mit einer für viele Menschen tödlich verlaufenden Erkrankung- im Vordergrund stehen?

Ich muss mich erstmal besinnen und das führt zu einer anderen Assoziationskette. Plötzlich befinde ich mich in einer anderen Jahreszeit: im Advent. Für die Advents- und Weihnachtszeit wünschen wir uns -auch gegenseitig- wie selbstverständlich eine besinnliche Zeit. Feierlich soll es werden. Eine Zeit der Ruhe und Gemütlichkeit, Zeit zum Innehalten und Nachdenken. Nachdenken über den Sinn des Lebens, was ist mir wichtig, was sind meine Werte und mit wem kann ich sie teilen? Und… klappt das? Ehrlich gesagt, fühle ich mich an Weihnachten oft erschöpft von all den Geschenk- und Lebensmitteleinkäufen, Päckchen packen, (gutgemeinten)Weihnachtsfeiern und den inneren und äußeren Erwartungen an die Adventszeit. Wenn alles gut geht, finde ich die Gelegenheit zu Mußestunden und Besinnlichkeit zwischen den Jahren.

Urlaub bedeutet Erlaubnis, habe ich gelernt. Das bedeutet doch auch, dass ich mir an jedem Ort der Welt erlauben kann, mich vom Alltagsstress zu lösen. Warum nicht auch zuhause? Selbst wenn mich der Haushalt mahnend anschaut, kann ich mir erlauben, in die Ruhe zu gehen, mich vom Leistungsdruck zu befreien, mich zu besinnen auf das, was mir gerade gut tut, um mich zu entspannen und zu erholen. Mal fünfe grade sein lassen, mit Freunden eine Weinprobe in deren heimischen Garten verabreden oder Ausflüge in die sommerliche Natur unternehmen. So kann ich die Jahreszeit, in der ich mich gerade befinde, ganz bewusst wahrnehmen. Bis zur besinnlichen Adventszeit sind es noch einige Monate hin. Also Besinnung im Hier und Jetzt.

„Gott segne Dich. Gott segne jeden Schritt, den Du machst, und segne den Grund unter Deinen Füßen.“ Diesen irischen Segensspruch möchte ich Ihnen mitgeben, wo und wie immer Sie Ihren Urlaub verbringen.

Bianca Ferse
Ev. Kirchengemeinde Hochheim