Wort zum Sonntag vom 8.11.2019

Möchten sie auch manchmal jemanden zeigen, was eine Harke ist?

Oder ein Rechen? Besonders im Herbst, wenn die Blätter sich ins Rote und Braune verfärben. Vom Baum und Ästen sich lösen, den Winden anvertrauen, schweben, fliegen, sinken, schließlich zu Boden fallen. Das ist eine schöne Zeit der Stille und des Staunens, des Trauerns und Träumens, in der man in großer Ruhe den Schöpfungskreislauf von Werden, Vergehen und Neuwerden bedenken kann...wenn da nicht… wenn da nicht die Laubbläser und Laubsauger wären!

Vor dem Hochheimer Markt, im Herbst haben sie wieder Hochsaison: Laubbläser sind überall zu sehen - und vor allem zu hören. Dass die städtische Straßenreinigung damit eine große Hilfe hat- na gut. Aber, wenn ich vor lauter Lärm denke, der Nachbar beginnt wohl mit Renovierungsarbeiten oder baut sein Haus um, obwohl er nur einen neuen Laubbläser hat, dann wünsch ich mir, dass das vielleicht auch anders ginge. Denn mit mehr als 100 Dezibel blasen Privatgärtner das Laub aus dem Weg. Dass dabei ordentlich Staub auf- und Insekten und nützliches Kleintier durcheinandergewirbelt werden und kaum noch eine Überlebenschance haben oder, dass derart aufgeräumtes Unterholz kein gutes Winterquartier mehr für den Igel ist, der bis letztes Jahr noch gerne zu Gast war, stört nur den naturverbundenen Menschen. Der klaubt sein Laub aus Umwelt- und Ohrschutzgründen noch klassisch mit dem Rechen oder der Harke zusammen und braucht dafür doppelt so lange. Die gute alte Harke ist günstig in der Anschaffung, tier-und klimafreundlich sowie auf eine fast vornehme Weise leise. Wer sich dessen bedient, zeigt ganz beiläufig, dass er Verantwortung für die Schöpfung übernimmt und Ehrfurcht vor dem Leben empfindet. Zudem tut es der Seele und dem Körper gut und kann zur meditativen Übung werden und zum Nachdenken. Jahreszeiten prägen unser Lebensgefühl und beeinflussen unsere Stimmung. Wir Menschen sind Kinder der Natur und gehören zur guten Schöpfung Gottes. Als Kinder Gottes sind wir Teil seiner guten Schöpfung und damit Teil der Natur. Ich wünsche mir, dass alle Arten von Lebewesen ein gutes Zuhause haben und sei es nur ein Laubhaufen im Garten.

Jetzt ist Hochheimer Markt mitten im Herbst und da gibt es doch so viel Grund zur Freude! Die Farben der Früchte und Blätter draußen, all die Tiere, die kleinen und die großen, die sich auf den Winter vorbereiten. Der Hochheimer Markt mit all seinen bunten Farben und Gerüchen, welch eine Freude.

Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Psalm 16,11)

Welch eine Freude, wenn all die Tierchen einen zusammengeharkten Haufen Laub erblicken!

Pfarrerin Mirjam Ambrozic