Wort zum Sonntag vom 3. September 2021

Einfach mal nichts!

Ich bin eine Niete!

Nein, natürlich kein kompletter Totalausfall, aber eben in gewissen Bereichen nicht besonders begabt. Und da denke ich jetzt nicht an Dinge, die ich erwiesenermaßen nicht gut kann, wie räumlich zu denken oder zu Handwerkern.  Mit der Zeit ist mir klar geworden, dass eine Fähigkeit bei mir fast nicht ausgeprägt ist, nämlich das Talent zum NICHTSTUN. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir jetzt die meisten von Ihnen hier zustimmen. Wer kann schon nichts tun?  So richtig NICHTS tun? Auch nicht lesen! Einfach in der Hängematte oder auf der Couch liegen und Löcher in die Luft starren. Sich in Tagträumen verlieren. Einfach mal im Café sitzen und das Leben an sich vorbei treiben lassen. Den ersten Morgenkaffee oder Tee für sich alleine in Ruhe zu trinken und sich auf den Tag einschwingen. Schwierig! Die einzigen Menschen, die noch eine Fähigkeit zur Untätigkeit besitzen, sind Teenager. Aber mit fortschreitendem Alter können wir dies immer weniger akzeptieren. Weder bei uns selbst, noch bei anderen. Ich erinnere mich an die Zeit, wenn meine Kinder in den Sommerferien dem Müßiggang frönten, also „rumschlumperten“, fiel es mir oft schwer, sie (ohne einen Kommentar) einfach zu lassen.  Sind doch die meisten von uns eher mit dem Lebens- und Arbeitsmotto der Benediktiner Mönche „Ora et Labora“ also „Bete und arbeite“ groß geworden, als mit der italienischen Lebensart des „Dolce far niente“, dem „süßen Nichtstun“. Was für ein Ausdruck, das süße Nichtstun, er zergeht auf der Zunge, wie ein zarter Kuchen oder ein cremiges Dessert.

Was kennen wir dagegen im Deutschen? Die Untätigkeit, die Faulheit? Es gibt kaum positive Ausdrücke und letztendlich entspricht das auch unserer Mentalität. Die meisten von uns haben doch einen kleinen Antreiber in sich, der sie frei nach dem Motto „Carpe Diem“ also „Nutze den Tag“ zu immer weiteren Leistungen drängt. Warum sollten wir diesem inneren Treiber öfter mal den Mund verbieten? Uns manchmal gar nichts vornehmen, außer auf uns selbst zu hören. Was hören wir, wenn wir alles abschalten? Was fühlen wir, wenn wir nicht mehr durch unser Tun abgelenkt sind? Was ist da noch in uns, an Wünschen, an Träumen? Die Chance ist groß etwas zu entdecken, wenn wir mal die Pause-Taste drücken. Wem das zu Hause schlecht gelingt, dem empfehle ich einen Spaziergang zu unseren Kirchen in Hochheim, die tagsüber geöffnet sind und zum Verweilen und einfach „Da sein“ einladen.

Edda Syborg
Ev. Kirchengemeinde Hochheim