Wort zum Sonntag vom 26.11.2021

Im Labyrinth des Lebens

Während die Welt durch die Pandemie auf das Nahfeld sich verengt, bin ich auf bisher wenig beachteten Wegen wandernd unterwegs. Und dabei entdeckte ich unweit der Wickerer Warte, ein bisschen versteckt abseits vom Wanderweg, ein aus Steinblöcken bestehendes Labyrinth.

Dies ist kein Irrgarten, in dem man sich – gewollt - verläuft, sondern ein Labyrinth. In einem Labyrinth werde ich vom Eingang aus auf einem scheinbar verschlungenen, jedoch sorgsam angeordneten Weg in eine Mitte geführt.

Durch eine, in einen der Wegsteine gemeißelte Inschrift erfahre ich, dass dieses Labyrinth schon seit zehn Jahren besteht. Es hat einen Durchmesser von 13.20m und die Weglänge, die man zurücklegt, beträgt 750m. In sieben Umgängen gelangt man vom äußeren Rand ins Innere des Labyrinths und wieder zurück.

Doch… abseits von Zahlen und Fakten … für mich ist es jedes Mal eine spirituelle Erfahrung ein Labyrinth zu begehen, häufig auch eine kleine Flucht aus dem Lärm des Alltags. Und, wie ich jetzt begreife, passend zum frühen ersten Advent in diesem Jahr, kann es auch einen symbolischen Weg darstellen, mein Weg durch diesen Advent, von dem ich noch nichts weiß, außer dass er mich am Ende in die Mitte, zum Licht hinführt.

Der Weg hat viele Windungen, er führt schnell nach innen, um dann wieder in einer überraschenden Wendung nach außen zu führen. Mir erscheint dies immer wie ein Spiegel der meiner eigenen, oft unüberschaubaren Lebenswendungen.

Ich komme beim Gehen zur Ruhe, spüre meinen Atem, nehme die Schritte bewusst wahr, und schöpfe neue Kraft. Manchmal stolpere ich ein wenig, entdecke ein Moosgesicht auf einem Stein. Meist gehe ich mit einer Frage in das Labyrinth, halte Zwiesprache mit dem Schöpfer über meine ungelösten Themen. Häufig habe ich auf meinem Weg nach Innen wertvolle Antworten gewonnen.

Es braucht Geduld und Achtsamkeit für den Weg. Oft scheint die Mitte mit dem nächsten Schritt ganz nah, doch die nächste Wendung bringt mich wieder weit weg, nach verschiedenen Richtungswechseln nähere ich mich der Mitte, fast unvermittelt stehe ich im Zentrum. Atme auf, bin da.  Ein Gebet, tiefe Atemzüge und ich weiß, dass ich den Weg wieder zurück gehen werde. Eine neue Perspektive eröffnet sich mir. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben…“

Das Gehen im Labyrinth ist ein Weg des Vertrauens, denn ich weiß, dass er mich zum Inneren führt, auch wenn ich oft den Weg nicht erkenne. Ich weiß, dass er zu einem Ziel führt. Egal, wie verschlungen meine Wege sind, ich gehe auf dem Weg durch das Labyrinth nicht verloren. Ich darf den Weg gehen, mit der Zusage Gottes: Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst.

Gesegnete Adventszeit für Sie alle – auf all Ihren verschlungenen und geraden Wegen.

Marijke Muno, evangelische Kirche