Wort zum Sonntag vom 19.10.2018

So ist Sonntag – oder auch so ...

Sie kennen das: man ist freitags und samstags unterwegs, Einkäufe oder ähnliches erledigen und überall wo man sich verabschiedet schallt einem ein fröhliches „ein schönes Wochenende!“ entgegen. Meist entgegne ich diesen Gruß mit „ Ihnen auch, Dankeschön!“, obwohl mir klar ist, dass wahrscheinlich gerade dieser Mensch auch am Wochenende arbeiten muss.  Manchmal knirsche ich auch innerlich mit den Zähnen, denn auch mein Dienstplan hält für mich Arbeit an den Wochenenden bereit.

Wir haben uns so daran gewöhnt Dienstleistungen auch am Sonntag in Anspruch zu nehmen.

Die frischen Brötchen sind mittlerweile selbstverständlich geworden und bestimmt nicht wenige würden gerne sonntags in geöffneten Geschäften einkaufen oder durch die Innenstädte bummeln.

Das statistische Bundesamt gibt an, dass mittlerweile mehr als 25% aller Beschäftigen gelegentlich oder regelmäßig an Sonntagen arbeiten. Tendenz seit Jahren steigend.

Die evangelische Kirche Hessen-Nassau hat dieses Thema der Sonntagsarbeit  in ihrer Aktion „So ist Sonntag“  aufgenommen und macht sich für einen arbeitsfreien Sonntag stark. Gerade weil  schon viele Menschen zum Allgemeinwohl an den Wochenenden arbeiten, soll auf den Nutzen eines gemeinsamen freien Tages hingewiesen werden.

Der freie Sonntag hat eine lange Tradition, beginnend mit dem alten Testament. In der Schöpfungsgeschichte ruhte Gott am siebten Tag und heiligte ihn. Im jüdischen Glauben hielt und hält man am Sabbat inne. Kaiser Konstantin verordnete im Jahr 321 nach Christus, dass am Sonntag nicht zu arbeiten wäre und in Deutschland wurde der Schutz des Sonntags  1919 sowie 1949 im Grundgesetz verankert. Doch die Forderungen nach einer Liberalisierung der Arbeits- und Ladenöffnungszeiten werden immer lauter und bedrohen den Feiertagsschutz, der 2019 für Hessen neu geregelt werden soll.

Deshalb ist es wichtig, wieder einmal darüber nachzudenken, was wir dem arbeitsfreien Sonntag verdanken, was er uns ermöglicht. Und was er uns nimmt, wenn wir ihn nicht haben.

Ein freier Sonntag ermöglicht Gemeinschaft. Egal ob in der Familie, mit  Freunden, im Verein oder in der Gemeinde. Nur wer den Sonntag als mehrheitlich arbeitsfrei erlebt, fühlt sich in seinem sozialen Umfeld eingebunden. Nicht zu vergessen, der Nutzen des Sonntags  als ein Tag mit „Zwang“ zur Pause. Gerade in der Ruhe, ohne alltägliche Verpflichtungen oder die Möglichkeiten zur Zerstreuung können wir Kraft tanken und entspannen.

Ohne Sonntage gäbe es nur noch Werktage oder wie Albert Schweitzer es bildhaft sagte:“Wenn deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag!

 

Edda Syborg, Ev.  Kirchengemeinde Hochheim