„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Jahreslosung für das Jahr 2022

Joh 6,37

Auf den Seiten der EKHN und der EKD  finden Sie weitere Gedanken, Predigten. Von Clemens Bittlinger noch eine Liedandacht zur Jahreslosung 2022.

 

Das Wort zum Sonntag HZ vom 14.01.2022 beschäftigt sich ebenfalls mit der Jahreslosung 2022

Christus spricht

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ So lautet die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr 2022 und zu finden sind die Worte im Johannesevangelium im 6 Kapitel. Ich habe die Bibel nicht zur Hand genommen, um das ganze Kapitel zu lesen und somit den Zusammenhang zu kennen.

Ich nehme Christi Wort einfach als ein Willkommensein und Angenommensein hin. Das tut gut. Gleichzeitig versetzt es mir einen Stich. In diesen pandemischen Zeiten mit ihren ganz eigenen Regeln fällt es mir zunehmend schwer, mich irgendwo willkommen zu fühlen. Selbst in der Kirche fühle ich mich von Abweisung nicht verschont. Mehr als 30 Menschen dürfen sich derzeit nicht gleichzeitig in unserer Kirche aufhalten, singen ist nur mit Maske erlaubt. Abendmahl bei dem wir in einer Gemeinschaft um den Altar herzumstehen? Einander die Hände reichen? Eine von Herzen kommende Umarmung als Zeichen der Verbundenheit? Fehlanzeige. Die Oase am Abend vermisse ich zunehmend mehr. An der Oase habe ich meine Seele versorgt und umsorgen lassen. Dort habe ich Vertrauen geschenkt, im Miteinander anhand einer Bibelstelle eigene Tiefen ausgelotet. Durch das Einfühlen in unterschiedliche Persönlichkeiten wie Sara, Abraham, Lots Weib, Judas und sogar Jesus habe ich Bewusstheit für meinen christlichen Glauben entwickelt und vor allem Kraft geschöpft für den nächsten Tag oder gar die nächsten Wochen bis zur nächsten Oase am Abend. Das alles fehlt mir sehr und wird mir in einem Gottesdienst mit Abstand und Maske nur noch bewusster. Das Vermissen schmerzt und dem gehe ich dann doch lieber aus dem Weg.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht zu Jesus kommen könnte, aber… Kennen Sie dieses „Aber…“? Die alternativen Onlineangebote auf Youtube-Kanälen erreichen mich innerlich nicht, sie haben einfach nicht den gleichen nährenden Charakter. Geborgenheit im Glauben kann ich vor einem Bildschirm leider nicht finden. Alles zusammengenommen fühle ich mich eher abgegrenzt als angenommen. Es gibt Tage, an denen ich mich müde und matt fühle und mutlos.

Nun habe ich Ihnen mein Jammern zugemutet. Doch… Sehen Sie es auch? Im Wort „zugemutet“ steckt das Wort „Mut“. Das bringt mich wieder zu Johannes. Evangelist, Prophet, Täufer. Als Nicht-Theologin verstehe ich ihn als den Mittler zwischen Jesus Christus und den Menschen. Johannes als Motivator und Mutmacher, sich dem Christlichen Glauben anzuschließen. In Christi Namen hat er Menschen willkommen geheißen. Er hat sie nicht nur innerlich berührt, sondern auch angefasst in der Taufe. Tatsächlich hat er sie untergetaucht im Jordan. Dabei hat er sie gehalten. Von diesem Bild möchte ich mich stärken lassen. Gehalten sein, so wie es mir durch die Taufe zugesagt worden ist. Gehalten sein über einen Gottesdienst hinaus. Gehalten sein im Alltag, in den hinein ich die Jahreslosung nun als Mutwort mitnehme:

Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Bianca Ferse
Evangelische Kirchengemeinde